Aktuelles

Wir suchen erfahrene Mitsänger und Mitsängerinnen in allen Stimmlagen! Bei Interesse bitten wir um Kontaktaufnahme.

 


Tenebrae

A-cappella-Chormusik zur Karwoche

Tomás Luis de Victoria: Tenebrae Responsories
Patricia Van Ness: Maundy thursday / Benediction / Et factum est / Populus qui ambulabat
Francis Poulenc: Quatre motets pour un temps de pénitence
Jens Röth: Tenebrae
Morten Lauridsen: O nata Lux
 
Leitung: Sandra Gallrein
 
Karfreitag, 10. April 2009 | 18 Uhr
Konzert
Johannis-Kirche | Berlin-Moabit
Alt-Moabit 25, 10559 Berlin
 
Karsamstag, 11. April 2009 | 18 Uhr
Konzert
M.-Luther-Kirche | Berlin-Neukölln
Fuldastrasse 50, 12045 Berlin
 
Ostersonntag, 12. April 2009 | 05 Uhr
Responsorien im Gottesdienst zur Osternacht
M.-Luther-Kirche | Berlin-Neukölln
Fuldastrasse 50, 12045 Berlin
 
Eintrittspreise für die Konzerte:
Abendkasse 8€, ermäßigt 6€
Vorverkauf 7€, ermäßigt 5€
Telefon: 030 - 34393887
 

„Niemand soll in dieser Nacht schlafen, sondern wach bleiben bis zur Morgenröte!“

Die Karwoche (althochdeutsch kara: Klage, Kummer, Trauer) beginnt eine Woche vor Ostern mit dem Palmsonntag, der an den Einzug Jesu Christi in Jerusalem erinnert. Darauf folgt der Gründonnerstag, der Tag, an dem des letzten Abendmahls Jesu mit den zwölf Aposteln gedacht wird, dann der Karfreitag als Todestag Jesu und der Karsamstag, der Tag der Totenstille und der Grabesruhe. Am darauf folgenden Ostersonntag wird die Auferstehung Jesu Christi von den Toten gefeiert. Dabei ist die Osternacht im Kirchenjahr der christlichen Konfessionen besonders wichtig: Die Nacht der Auferstehung ist gleichzeitig eine Nacht des Durchgangs vom Tod ins Leben, von der Dunkelheit ins Licht. Dem Gegensatzpaar von Finsternis und Licht kommt in der römisch-katholischen Kirche eine hohe symbolische Bedeutung zu: In der Feier der Osternacht erwarten die Christen in nächtlicher Wache die Auferstehung Christi, die spätestens mit der Morgendämmerung endet, denn das leere Grab des Sohnes Gottes wurde „früh am Morgen, als eben die Sonne aufging“ enteckt (Mk 16,2). Das Erscheinen des Lichts nach finsterer Nacht, insbesondere die Morgendämmerung, ist somit in vielen Kirchenliedern, literarischen Werken und künstlerischen Darstellungen feststehendes Symbol für die Auferstehung Jesu und die kommende Auferweckung aller Menschen. So heißt es im Hymnus der Laudes des Ostersonntag: „Der Morgen rötet sich und glüht, der ganze Himmel tönt von Lob, in Jubel jauchzt die Erde auf, und klagend stöhnt die Unterwelt. Der starke, königliche Held zerbrach des Todes schweren Bann. [...] Er, den der Stein verschlossen hielt, und den man noch im Grab bewacht, er steigt als Sieger aus dem Grab, fährt auf in strahlendem Triumph.“

Das Vokalensemble Kammerton möchte Sie am heutigen Abend mit A-cappella-Chormusik aus unterschiedlichen Epochen, von gestern und heute, durch die Dunkelheit der letzten Stunden der Karwoche begleiten. Dabei liegen zwischen den sakralen Gesängen des spanischen Komponisten Tomás Luis de Victoria und den Stücken zeitgenössischer Künstler wie Patricia van Ness, Morton Lauridsen und Jens Röth mehr als 4 Jahrhunderte; und doch haben all diese Komponisten eines gemeinsam: Sie widmen sich in ihrer Musik der Thematik der Dunkelheit und des Lichts, jeder auf seine ganz individuelle Weise...

Tomás Luis de Victoria gehörte zu den herausragenden Komponistenpersönlichkeiten der Spätrenaissance (1530–1590). Er wurde im Jahre 1548 in Ávila geboren und starb 1611 in Madrid. Wie bei nahezu allen Komponisten der Renaissance wissen wir nicht viel über Victorias frühe Jahre. Als 17jähriger ging er nach Rom (1565), um dort in das Collegium Germanicum aufgenommen zu werden, ein deutschen Priesterkolleg, das 1552 gegründet wurde und in besonderen Fällen auch Angehörigen anderer Nationen offen stand. Im Jahre 1575 erhielt Victoria dort seine Priesterweihe.

Sein Schaffen beinhaltet ausschließlich geistliche Musik. Wohl nicht zu Unrecht wird dies oft auf die besonders strenge Frömmigkeit des Komponisten zurückgeführt. Im Jahre 1585 komponierte Victoria für die Karwoche seine Tenebrae Responsoriae, die sich in einem Band mit dem Titel Officium hebdomadae sanctae zusammen mit Passionen und Lamentationen finden. Ein Responsorium ist ein liturgischer Gesang, der sich aus einem Chorteil, einem refrainähnlichen Teil, und einer solistisch vorgetragenen Strophe zusammensetzt. Die Bezeichnung Responsorium ist dabei von der ursprünglich dem Volk zugewiesenen Antwort (responsorio) abgeleitet. Der Responsorialgesang ist schon seit der apostolischen Zeit ein fester Bestandteil des Gottesdienstes. Schon im ersten der 18 Stücke findet sich das Prinzip des Responsorialgesanges wieder: Nach einem Chorteil erklingt ein kurzer Solopart für Sopran und Alt, der dann wieder vom Chor abgelöst wird. Auf meisterhafte Art versteht es Victoria dabei, Wort und Ton zu einer Einheit verschmelzen zu lassen, so dass seine Musik von einer besonders spirituellen und intensiven Stimmung getragen wird.

Der französische Komponist Francis Poulenc (1899–1963) gehörte der Groupe de Six an, einer Gruppe von freundschaftlich miteinander verbundenen Komponisten und Schriftstellern in Paris, die die deutsche Romantik zutiefst ablehnten. Sie wendeten sich bevorzugt der zeitgenössischen Unterhaltungsmusik wie der Jazz- und Varietémusik zu: „Klamauk, Provokation, gepflegte Arroganz und effektvoll eingesetzte Anstößigkeiten wurden zu Poulencs Markenzeichen.“ Bis Poulenc sich im Jahre 1936 dem katholischen Glauben zuwendete, ausgelöst durch eine Pilgerreise in den südfranzösischen Wallfahrtsort Rocamadour. Die religiöse Erweckung des Komponisten mündete in zahlreiche geistliche A-cappella-Stücke und erweiterte seine Musik so durch ein ernstes und reifes Ausdruckspotential: Im Januar 1939 stellte er seine vier Motetten für eine Zeit der Buße fertig, Quatre motets pour un temps de pénitence, vier Stücke düsterer Sakralmusik, deren Expressivität, Intensität und religiöse Tiefe den Hörer in ihren Bann ziehen.

Der zeitgenössiche Komponist Jens Röth studierte Theologie und Musik auf Lehramt. Neben seiner Tätigkeit als Komponist leitet er auch mehrere Chöre, Orchester und Instrumentalensembles. Im Rahmen des 2. Internationalen Robert-Schumann-Chorwettbewerbes komponierte Röth 1995 das Stück Tenebrae factae sunt. Er greift in seiner Komposition die religiöse Andacht der Karwoche auf und vertont die Dunkelheit, die sich über die Erde legt, auf eindrucksvolle Art: Immer wieder baut er aus dem Nichts eine gewaltige Achtstimmigkeit auf, die dem Hörer förmlich entgegen schlägt, die sich dann wieder in einem stimmlich ausgedünnten Satz verliert, um in einem flehenden „Herr, erbarme Dich unser!“ zu enden.

Die amerikanische Komponistin und Violinistin Patricia Van Ness (1951) kreiert eine ganz eigene Tonsprache, indem sie musikalische Elemente des Mittelalters und der Renaissance um moderne Klangfarben erweitert. Eine musikalische Signatur, für die sie von Musikern, Kritikern und Hörern gleichermaßen gelobt wird. Sie ist ständige Komponistin der First Church in Cambridge, für die sie schon zahlreiche Stücke schrieb. So auch eines aus dem Jahre 1997 mit dem Titel Maundy Thursday (dt. Gründonnerstag), ein Stück, das an das letzte Abendmahl Jesu Christi mit den zwölf Aposteln vor seiner Kreuzigung erinnert. In diesem Stück unterlegt Van Ness ihrem Klangideal einen ausdrucksvollen Text, der einer Lobpreisung Jesu Christi gleichkommt: „Dir, Quelle der Gnade, werden wir singen, während sich Dein Geist zum Himmel erhebt. Du hast unsere Augen rein gewaschen und uns auf stillen Wegen durch die Gärten der Schönheit und auch der Schmerzen geführt.“

Der amerikanische Komponist Morten Johannes Lauridsen (1943) wuchs als Sohn dänischer Einwanderer in Portland (Oregon) auf. Seine Werke gehören mittlerweile zum festen Chormusikrepertoire des 20. Jahrhunderts. In den Jahren 1994 bis 2001 wirkte er als ständiger Komponist des Los Angeles Master Chorale, ein bekannter, professioneller Chor, der 1964 in Los Angeles gegründet wurde. Lauridsens Werk, das ausschließlich Vokalmusik umfasst, wurde schon mit zahlreichen Preisen gewürdigt. So erhielt der Komponist im Jahre 2007 die höchste Auszeichnung, die die US-Regierung an Künstler vergibt, die National Medal of Arts. Dieser Preis wurde dem Komponisten vom Präsidenten höchstpersönlich im Weißen Haus überreicht mit der Begründung: „Lauridsens Chormusik vereint in sich musikalische Schönheit, Kraft und spirituelle Tiefe, die die Hörerschaft auf der ganzen Welt berührt!“ Ein solches Beispiel für die einnehmende Kraft der Musik Lauridsens ist das Stück O Nata Lux (1997) aus dem großartigen Werk Lux Aeterna für Chor und Orchester – ein Stück, das berührt. Der Komponist selbst erklärt, dass sich alle Teile dieses Zyklus’ auf das Licht als ein Symbol für Jesus Christus beziehen.

Wir wünschen Ihnen nun viel Hörvergnügen und ein schönes Osterfest!

Sarah Rust
 


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