- M.Reger
-
Nun sich der Tag geendet hat
- H. Purcell
- Funeral Music for Queen Mary
- 2.
Man that is born of a woman
- 4.
In the midst of life
- 6.
Thou knowest Lord
- J.S. Bach
- Wachet auf, ruft uns die Stimme BWV140 (Orgel)
- P. Cornelius
- Janosch
- Der Tod und der Gänsehirt
- H. Distler
- Totentanz - Motette zum Totensonntag, op. 12, Nr. 2
- 1. Spruch:
Lass alles, was du hast
- 2. Spruch:
Mensch, die Figur der Welt vergehet
- 3. Spruch:
Wann du willst gradeswegs ins ewge Leben gehen
- 14. Spruch: Die Seele, weil sie ist geborn
- A. Guilmant
- Marche funèbre et chant seraphique, op. 17 (Orgel)
- H. Hesse
- H. Barbe
-
Gesegn’ dich Laub, gesegn’ dich Gras
-
Schwesterlein
-
Ich hab die Nacht geträumet
- H. Distler
- Lieder aus dem „Mörike-Chorliederbuch“ op.19
- Ein Stündlein
- Denk es, o Seele
- Um Mitternacht
- E. Elgar
- The Prince of Sleep
- Death on the Hills
Stufen
H. Hesse (1877-1962)
Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In neue, andre Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegensenden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...
Wohlan denn Herz, nimm Abschied und gesunde!
Schlafes Bruder
Eine Musik zum Totensonntag. Was soll das sein?
Wer es wagt, sich mit der beeindruckenden Vielfalt der Texte und
Kompositionen zu diesem Tag auseinander zu setzen, wird nicht umhin
kommen, sich zu wundern.
Sich zu verwundern, wie ein solch existenzieller Teil des Lebens - der
Tod, dem nur ein weiteres Ereignis - die Geburt, gleichrangig ist, in
der Kunst zu einer überbordenden Fülle an schöpferischen
Akten führen kann und doch in unserem alltäglichen Leben
seinen Platz nur ganz am Rande unserer Wahrnehmung einnimmt. Nun ist er
ja extra dafür gemacht, der Toten- oder auch Ewigkeitssonntag,
dass wir uns der Verstorbenen am Ende des Kirchenjahres erinnern...
Trauer auf Abruf, einmal im Jahr?
„Mitten wir im Leben sind von dem Tod umfangen“.
Mit unserer Geburt beginnt auch unsere irdische Vergänglichkeit.
Nur flüchtiges Verweilen und das unausweichliche Ende des
menschlichen Aufenthaltes auf Erden sind die Koordinaten eines
Weltbildes, wie es sich in der „Funeral Music for Queen Mary“ von
Henry Purcell und bei Peter Cornelius präsentiert. Im
Glauben an Gott liegt die Erlösung von irdischen Sünden und
Leiden. Die Trauermusik vereint Gesänge und Bläserchöre,
die Purcell u.a. anlässlich der Beerdigung von Queen Mary II am
28. Dezember 1694 schrieb. In einem zeitgenössischen Kommentar
heißt es:
„...ich wende mich an alle diejenigen, die anwesend waren,
gleichgültig, ob sie etwas von Musik verstehen oder nicht, ob sie
wohl jemals etwas so hinreißend Schönes und Feierliches und
Himmlisches gehört haben wie in dieser Darbietung, die alle zum
Weinen brachte.“
Doch ist die Angst, sich „in der Trauer zu verlieren“, fast ebenso
groß wie die Angst vor dem Tod selbst.
In dem Märchen „Der Tod und der Gänsehirt“ von Janosch hat
der Hirte keine Angst, an das andere Ufer zu gelangen - er hat doch
schon so oft hinübergesehen.
Die Furcht des Menschen, in der ihm zugemessenen Zeit sich und seinem
Nächsten nicht gerecht geworden zu sein, und somit eine
„Bestrafung“ auf der anderen Seite des Ufers zu erhalten, ist auch das
Thema bei dem nun folgenden „Totentanz“ von Hugo Distler, aus dem
hier vier Sprüche vorgetragen werden. Distler, der sich im Alter
von 34 Jahren mit eigener Hand viel zu früh das Leben nahm,
glaubte innig an den Verkündigungsauftrag der evangelischen
Kirchenmusik.
Die Auseinandersetzung mit den Texten aus dem
„Cherubinischen Wandersmann“ des Angelus Silesius und den von Johannes
Klöcking bearbeiteten mittelniederdeutschen Versen des
Lübecker Totentanzes hat nicht nur bei Distler zu einem, wie er es
selbst einmal nannte, mystisch-meditativen Zug in seiner Musik
geführt, sondern zwingt auch die Sänger und Sprecher zu
innerer Reflektion und einem fast körperlich erfassbaren
Innehalten und Verweilen in der Musik.
„Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!“
Mit den drei „Volksliedern“ von Helmut Barbe rückt nun ein
weiteres, bekanntes Bild, wenn auch von weltanschaulich eher antiker
Art, in unser Blickfeld: der kleine Bruder des Todes - der Schlaf. Er
bringt mit seinen Träumen die Vorboten des großen Verwandten
in Herz und Seele der Schlafenden.
Die im Traum erhaltene Vorahnung wird am Tage zur Gewissheit.
In den von Distler vertonten Gedichten des
„Mörike-Chorliederbuches“ verbirgt sich in dem lyrischen
Kleinod
„Um Mitternacht“ eine Begebenheit von besonderem Gewicht: erinnert doch
das Bild von der Nacht, die aus dem Wasser an Land steigt und Herrin
über Zeit und Gezeiten ist, an die Wassermutter der finnischen
Schöpfungsgeschichte „Kalevala“.
Edward Elgars spätromantischen Elegien sind nun der
Abschiedsgruß.
Der „Prince of Sleep“ ist eine bezaubernde Gestalt, bekränzt mit
Lavendel und Mohn. Einen lieblichen Duft verströmend, wandelt er
barfüßig auf den Spuren der Glühwürmchen durch die
einsame nächtliche Natur.
Er ist ein Sinnbild des Friedens und der schönen
Vergänglichkeit.
In „Death on the Hills“ zieht Gevatter Tod zu Pferde mit seinem
Schattengefolge über die Lande.
Vorneweg laufen die Jungen. Hinterdrein, einen Karren ziehend und
stemmend kommen die Alten, geradezu beladen mit der Last ihres Lebens.
Auf dem Sattel aber dürfen nur die kleinen Kinder sitzen.
Die Alten betteln darum, in das Dorf hinunter zu gehen und sich mit
einer Rast und frischem Wasser zu erfrischen und das Jungvolk sich
vergnügen zu lassen. Der Tod jedoch verweigert ihren Wunsch. Er
dürfe nicht durch das Dorf ziehen, denn dort würden dann die
Frauen ihre toten Männer erkennen können und die Mütter
ihre toten Kinder. Sie könnten versuchen die Toten zu umarmen -
dieses wäre jedoch ihr eigenes Todesurteil. Hier zeigt sich der
Tod als mitleidender Tod, der in Pestzeiten über das Land kommt
und selber höheren Gesetzen unterliegt. Er respektiert die
Lebenden und zieht an ihnen vorbei.
Sandra Gallrein
Der Tod und der Gänsehirt
aus: Janosch: „Janosch erzählt Grimm´s Märchen“, Beltz & Gelberg, Weinheim-Basel
Einmal kam der Tod über den Fluß, wo die Welt beginnt. Dort
lebte ein armer Hirt, der eine Herde weißer Gänse
hütete.
„Du weißt, wer ich bin, Kamerad?" fragte der Tod.
„Ich weiß, du bist der Tod. Ich habe dich auf der anderen Seite
hinter dem Fluß oft gesehen."
„Du weißt, daß ich hier bin, um dich zu holen und dich
mitzunehmen auf die andere Seite des Flusses.“
„Ich weiß. Aber das wird noch lange sein.“
„Oder wird nicht lange sein. Sag, fürchtest du dich nicht?“,
„Nein“, sagte der Hirt. „Ich habe immer über den Fluß
geschaut, seit ich hier bin, ich weiß, wie es dort ist.“
„Gibt es nichts, was du mitnehmen möchtest?“
„Nichts, denn ich habe nichts."
„Nichts, worauf du hier noch wartest?"
„Nichts, denn ich warte auf nichts.“
„Dann werde ich jetzt weitergehen und dich auf dem Rückweg holen.
Brauchst du noch etwas, wünschst du dir noch was?“
„Brauche nichts, hab' alles", sagte der Hirt. „Ich habe eine Hose und
ein Hemd und ein Paar Winterschuhe und eine Mütze. Ich kann
Flöte spielen, das macht lustig. Meine Gänse verstehn nicht
viel von Musik.“
Als dann der Tod nach langer Zeit wiederkam, gingen viele hinter ihm
her, die er mitgebracht hatte, um sie über den Fluß zu
führen.
Da war ein Reicher dabei, ein Geizhals, der zeit seines Lebens
wertvolles und wertloses Zeug an sich gerafft hatte:
Klamotten, auch Gold und Aktien und fünf Häuser mit etlichen
Etagen.
Der Mann jammerte und zeterte: „Noch fünf Jahre, nur noch
fünf Jahre hätte ich gebraucht, und ich hätte noch
fünf Häuser mehr gehabt. So ein Unglück, so ein
Unglück, verfluchtes!“
Das war schlimm für ihn.
Ein Rennfahrer war unter ihnen, der zeit seines Lebens trainiert hatte,
um den großen Preis zu gewinnen. Fünf Minuten hätte er
noch gebraucht bis zum Sieg. Da erwischte ihn der Tod.
Ein Berühmter war dabei, dem ein Orden gefehlt hatte, da holte ihn
der Bruder Tod. Das war schlimm für ihn.
Dann war da ein junger Mensch, der hatte an seiner Braut gehangen, denn
sie waren ein Liebespaar gewesen, und keiner konnte ohne den anderen
leben.
Ein schönes Fräulein war dabei mit langen Haaren.
Und viele Reiche, die jetzt nichts mehr besaßen, was sie gerne
hätten haben wollen.
Ein alter Mann war freiwillig mitgegangen. Aber auch er war nicht froh,
denn siebzig Jahre waren vergangen, ohne daß er das bekommen
hatte, was er hatte haben wollen.
Schlimm für sie alle.
Als sie an den Fluß kamen, wo die Welt aufhört, saß
dort der Hirt. Und als der Tod ihm die Hand auf die Schulter legte,
stand er auf, ging mit über den Fluß, als wäre nichts,
und die andere Seite hinter dem Fluß war ihm nicht fremd. Er
hatte Zeit genug gehabt, hinüberzuschauen, er kannte sich hier
aus, und die Töne waren noch da, die er immer auf der Flöte
gespielt hatte;
er war sehr fröhlich.
Das war schön für ihn.
Was mit den Gänsen geschah?
Ein neuer Hirte kam.
Login