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Carpe Noctem

Zweimal 45 Minuten,
an der Felsentreppe im Park Sanssouci:
Perlen affektvollster Chormusik des Frühbarock.

Scarlatti – Madrigale
Monteverdi – Lamento d'Arianna
Purcell – Dido und Aeneas in 20 Minuten

Samstag, 15. August 2009 | 20 und 21 Uhr
Park Sanssouci, Felsentreppe
Potsdam

Das Vokalensemble Kammerton lädt Sie am 15. August 2009 im Rahmen der 11. Potsdamer Schlössernacht zu einem Auftritt im Park Sanssouci ein.
Nirgendwo zeigt sich Preußens Barock glanzvoller, üppiger und romantischer als im Park von Sanssouci. Passend zu einer solchen Landschaft aus Schlössern und Gärten präsentieren wir Ihnen an diesem Abend Chormusik alter, barocker Meister:
Henry Purcell, Alessandro Scarlatti und Claudio Monteverdi – sie alle sind Komponisten des Barock. Sie alle haben trotz ihrer Zugehörigkeit zu ein- und derselben Epoche einen eigenen, unverkennbaren Personalstil entwickelt.

PurcellHenry Purcell wurde 1659 in Westminster (London) geboren. Bis zu seinem Stimmbruch war Purcell Chorknabe in der Königlichen Kapelle, wurde dann zum Assistenten des Königlichen Instrumentenwartes ernannt. Im Jahre 1679 wurde ihm das Amt des „Komponisten für die Violinen bei Hofe“ anvertraut, zwei Jahre später das des Organisten von Westminster Abbey. In den nun folgenden 8 Jahren bildete der Hof der Stuarts den Mittelpunkt seines Berufslebens und gleichzeitig das Zentrum der musikalischen Kultur. Zu dieser Zeit war in England weder eine Hofopern- noch eine öffentliche Operntradition etabliert. Im Theater wurde Musik nur dann verwendet, wenn sie sich in eine Bühnensituation integrieren ließ, ohne dabei unrealistisch zu wirken; also in feierlichen oder rituellen Szenen, die Teil des Bühnengeschehens waren. Zu Purcells Zeit war es zudem nicht üblich, dass die Schauspieler in ihren Rollen sangen.
Henry Purcell schrieb nun vor diesem musikgeschichtlichen Hintergrund (vermutlich im Jahre 1684) eine seiner wichtigsten Kompositionen für die öffentliche Bühne: Dido und Aeneas, eine durchgängig gesungene Bühnenhandlung. Das Libretto zu diesem Werk lieferte Nahum Tate, der damals als einer der herausragenden Dichter Englands galt. Das Textbuch paraphrasiert nun einen Teils von Vergils Aeneis und handelt von der unglücklichen Liebe der Dido zu Aeneas: Auf der Flucht aus dem brennenden Troja treibt ein Sturm den trojanischen Helden Aeneas an die Küste Karthagos. Die Stadt wird von Königin Dido regiert, die nach dem Tod ihres Mannes geschworen hat, nie mehr zu heiraten und sich nur dem Wohl ihres Staates zu widmen. Die Königin kann den Schwur nicht halten, sie verliebt sich in Aeneas. Der aber verlässt Karthago auf den Befehl des Zeus. Daraufhin begeht die unglückliche Dido Selbstmord, indem sie sich mit dem Schwert des Geliebten ersticht.

ScarlattiDer Komponist Alessandro Scarlatti stammte aus einer bekannten italienischen Musikerfamilie. Er wurde Zeit seines Lebens von einflussreichen Persönlichkeiten protegiert. Zu ihnen gehörte der Kardinal Benedetto Pamphilij, die Königin von Schweden und der spanische Vizekönig von Neapel.
Scarlatti ist in erster Linie als Komponist von Vokalmusik zu betrachten. Er hat ein ungeheuer reichhaltiges Œuvre hinterlassen, das eine Vielzahl an Gattungen umfasst: Messen, Motetten, Madrigale und Bühnenwerke. Das Madrigal muss dabei als Gelegenheitskomposition innerhalb seines Gesamtwerkes betrachtet werden: Scarlatti hat insgesamt nur 8 Madrigale komponiert, obwohl sich gerade diese Gattung im Barock großer Beliebtheit erfreute. Das Madrigal diente den Komponisten aufgrund seiner gestalterischen Offenheit als Experimentierfeld, hier fanden die Tonschöpfer einen Raum für ihre individuelle Stilentfaltung.

MonteverdiDas Lamento d’Arianna war schon zu Monteverdis Lebzeiten eine seiner bekanntesten Kompositionen. Die Klage der Arianna besteht aus vier Gesängen und ist der einzige, noch erhaltene Teil aus Monteverdis zweiter Oper L’Arianna. Monteverdi selbst bezeichnete seine Ariannenklage als den wichtigsten Teil seines Bühnenwerkes. Sie wurde für die Hochzeitsfeierlichkeiten am Hof in Mantua im Jahre 1608 komponiert.
Die Hochzeit des Mantuaner Herzogs Francesco Gonzaga mit Isabella von Savoyen war ein großes, politisches Ereignis, das vor einem internationalen Publikum stattfinden sollte. Neben Konzerten und Bällen wurde die Oper L’Arianna in einem eigens für die Aufführung gebauten Theater gegeben. Natürlich war auch der Stoff, aus dem Oper gemacht ist, nicht irgendeiner, sondern eine berühmte Hochzeitsgeschichte aus der Antike: Ariadne, die Tochter des Königs von Kreta, verlässt ihre Heimat und ihre geliebte Familie, um mit dem Helden Theseus, dem Sohn des Königs von Athen, zu gehen. Theseus lässt Ariadne jedoch auf der Insel Naxos zurück, aus Angst vor dem Skandal, den die Ankunft der Tochter des Erzfeindes in Athen auslösen würde. Nun klagt Ariadne ihr Leid: „Lasst mich sterben [...] in meiner so großen Pein. [...] Wende Dich um, Theseus, diejenige noch einmal anzublicken, die für Dich Heimat und Herrscherwürde aufgegeben hat. [...] Doch mit günstigen Winden segelst Du glücklich davon, und ich weine hier, Dir bereitet Athene frohe Feste, und ich bleibe hier, wilden Tieren zum Fraß an einsamer Stätte. [...] Seht, wohin mich ein grausames Schicksal gebracht hat! So geht es dem, der zu sehr liebt und zu sehr vertraut!“

Sarah Rust

Arianna

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