- Manuel Oltra (1922)
-
El campanar de lleida. Sardana
- Cristòfor Taltabull (1888 - 1964)
- Luis de Narváez (um 1550)
- Diferencias sobre guárdame las vacas für Gitarre
- Manuel de Falla (1876 - 1946)
- Homenaje a la tumba de Debussy für Gitarre
- Joaquín Rodrigo (1901 - 1999)
- En los trigales für Gitarre
- Matthew Harris
- Two Lorca Songs
- 1. Las seis cuerdas
-
2. Cròtalo
- Einojuhani Rautavaara (1928)
- Suite de Lorca
- 1. Canción de jinete
- 2. El Grito
- 3. La luna asoma
-
4. Malagueña
- Joaquín Turina (1882 - 1949)
- Sonata für Gitarre
- Allegro
- Andante
- Allegro vivo
- Mecano
- Astor Piazzolla (1921 - 1992)
- Anders Edenroth (1963)
La luna asoma
Der Mond kommt
Wenn der Mond heraufkommt,
vergehen die Glocken,
es erscheinen die Pfade,
die keiner durchdringt.
Wenn der Mond heraufkommt,
wallt Meer über Erde,
und es fühlt sich das Herz
im Unendlichen Eiland.
In des Vollmondes Schein
isst niemand Orangen.
Man muss grüne, erstarrte
Früchte sich brechen.
Wenn der Mond von hundert
gleichen Gesichtern
zu sich zurückkehrt,
dann schluchzt in der Tasche
die silberne Münze
Federico García Lorca / Ü: Enrique Beck
Die Pfade führen nach Spanien. Die farbenreichen Vertonungen der
Lorcagedichte von dem Finnen Einojuhani Rautavaara und dem Amerikaner
Matthew Harris waren Anstoß genug sich auf eine Entdeckungsreise
in die spanische und katalanische Chorliteratur des 19. und 20.
Jahrhunderts zu begeben.
Ob nun vom Land der Orangenbäume inspiriert oder von dort direkt
importiert, besticht diese Vokalmusik durch eine enorme Ausdruckskraft
und Sinnlichkeit in Klang und Rhythmus. Schimmerndes Mondlicht, einsame
Reiter, wirbelnde Tänzer, erotische Frauen und die Sinne
beflügelnde kulinarische Köstlichkeiten verführen die
Phantasie in den warmen Süden.
La luna asoma ...
Der Mond kommt ...
Der Mond steht im Mittelpunkt vieler
Märchen und Mythen aller Kulturkreise der Welt. Er hat darin immer
doppeldeutige Gesichter. Er ist der wirkliche und der fantastische
Mond, der nüchterne und der geheimnisvolle, der gute und der
böse, der bleiche und der glänzende, der liebliche und der
weihevolle, der heitere und der melancholische, der trostreiche und der
abweisende, der romantische Mond, der Tröster der Einsamen und der
Begleiter der Liebenden.
Die
gegensätzlichen Charakterisierungen ließen sich
fortführen.
Als
nächtliche Lichtquelle am Himmel erhellt er nicht nur, er
verändert auch alles, was er bescheint. Er selbst verändert
sich im Laufe des Zyklus’, den er durchläuft. Deshalb wird der
Mond auch mit den Geschicken der Menschen und den Geschehnissen auf der
Erde in Verbindung gebracht. Er besitzt in den Mythen und Märchen
der verschiedenen Kulturen entweder weibliches oder männliches
Geschlecht, welches dem Geschlecht der ihm zugeordneten Gottheiten
entspricht. Der männliche Mond ist meist ein mächtiger
Mondgott, welcher Zeitmesser und Helfer in nächtlichen
Ängsten und Gefahren ist. Der weibliche Mond ist eine schöne
Göttin, die Beschützerin der Frauen, der Liebe und der
Fruchtbarkeit ist. Sie ist die Adressatin von Wunschprojektionen der
Erdenbewohner.
Der Mond, die Hitze der Sommernacht, die süßen, salzigen und
würzigen Gerüche, die in der warmen Luft liegen und die Weite
der spanischen Landschaft sind die zentralen Momente der Texte, die
sich durch das Konzertprogramm ziehen. „La luna“ – in der spanischen
Dichtung und Mythologie mit weiblichen Eigenschaften versehen - ist die
Orientierung am Himmel des durch die Nacht reitenden, und nie
ankommenden Reiters. Sie ist das Licht, das die Welt in eine
unwirkliche, undurchdringliche Landschaft verwandelt. Sie ist das
Himmelslicht, das der Mensch um Glück und Liebe anfleht.
Als Auftakt des Konzertes bittet der katalanische Komponist Manuel
Oltra mit der ‚Sardana’ zum Tanz.
Das sich anschließende ‚Madrigal’ von Cristòfor Taltabull
ist eine Hommage an die alte Madrigalkunst der Renaissance. Es
verbindet Zitate der alten Kompositionskunst mit modernen Klängen.
Die melancholische, oft tragische Poesie des 1898 in der Nähe
Granadas geborenen spanischen Dichters Federico Garcia Lorca ist
weltweit bekannt. Sie wurde in ein Dutzend Sprachen übersetzt und
inspirierte sowohl den zeitgenössischen finnischen Komponisten
Einojuhani Rautavaara als auch den amerikanischen Komponisten Matthew
Harris zu farbenreichen Kleinoden der kammermusikalischen
A-cappella-Literatur.
Matthew Harris vertonte mit seinen ‚Two Lorca Songs’ zwei Gedichte aus
Lorcas erstem großen Werk ‚Poema del Cante Jondo’ (Poem of the
Deep Song). Sie wurden 1994 und 1995 in Washington und London
uraufgeführt. In ‚Las Seis Cuerdas’ (‚Die Sechs Saiten’ – gemeint
sind die sechs Saiten einer Gitarre) ließ sich Harris von der
eindringlichen Melancholie der Poesie Lorcas leiten. Mit dem als
Flamenco-Tanz komponierten Stück ‚Crótalo’ (‚Die
Klapperschlange’) wollte er hingegen die Virtuosität
veranschaulichen, die nicht nur dem Instrumentalisten oder dem Solisten
sondern auch einem Chor in der musikalischen Darbietung möglich
ist. Die mit dem Wort „crótalo“ immer wiederkehrenden Buchstaben
‚c’ und ‚t’ sollen ein rhythmisches Geräusch erzeugen, das dem von
Kastagnetten gleichkommt.
Die Kompositionen des 1928 geborenen finnischen Komponisten Einojuhani
Rautavaara sind sehr vielseitig. Sie sind Ausdruck verschiedener
stilistischer Phasen, die Rautavaara kompositorisch durchlaufen hat.
Ihnen gemeinsam ist ein mystischer Charakter. Rautavaaras bekanntestes
Chorwerk ist seine 1973 veröffentlichte ‚Suite de Lorca’. Sie ist
das Ergebnis seiner Begeisterung für die Poesie Federico Garcia
Lorcas, die in ihrer mystischen Atmosphäre der Musik Rautavaaras
sehr nahe steht.
Das erste Stück der Suite (‚Reiterlied’) beschreibt den einsamen
Ritt eines Mannes auf einer schwarzen Stute unter dem großen Mond
gen Cordoba. Doch Cordoba ist weit und der Tod ist nah. Cordoba bleibt
unerreicht...
Das zweite Stück besingt einen Schrei (‚El grito’), der von Berg
zu Berg schwingt und den Wind zum Vibrieren bringt. Was für ein
Schrei hier erklingt, bleibt, liebe Zuhörer, Ihrer Phantasie
überlassen. Ist es ein Schrei des Entsetzens oder ein Schrei der
Befreiung?
Das dritte Stück dann (‚La luna asoma’) beschreibt den Mond wie er
die Welt, die er bescheint, in ein undurchdringliches Licht der
Unendlichkeit taucht. Darin „fühlt sich das Herz als Insel im
Unendlichen“.
Das letzte Stück der ‚Suite de Lorca’ (‚Malagueña’ )
besingt den Tod, wie er bedrohlich in einer Taverne ein- und ausgeht,
an der schwarze Pferde und finstere Gestalten vorbeiziehen - „und es
liegt ein Geruch nach Salz und Blut von Frauen in der Luft, in den
fiebrigen Blüten des Küstengebietes.“
Mit den drei letzten Stücken hält die leichte Muse Einzug in
das Konzertprogramm. Das von José Maria Cano komponierte
Stück ‚Hijo de la luna’ wurde 1986, von der Popgruppe Mecano
gesungen, zu einem internationalen Hit. P.J. Kunz von Gymnich
arrangierte es für vierstimmigen Chor. Die Unterstimmen ersetzen
hier die Instrumentalbegleitung des Originalwerkes. Inhaltlich handelt
das Stück von einer Frau, die den Mond um ihr Glück willen
anfleht. Dieser fordert von ihr dafür ihr erstes Kind. Daran
zerbricht ihr Glück. Die Frau muss sterben und der silberne Mond
bietet dem Kind durch sein Licht in Vollmondnächten Geborgenheit
und ist ihm in seinen abnehmenden Tagen eine Wiege.
Mit ‚Adios Nonino’, 1961 von Astor Piazzolla komponiert, wurde ein
weiteres Instrumentalstück in das Konzertprogramm aufgenommen. Es
wurde im Jahre 1999 von Nestor Zadoff für Chor a-cappella
arrangiert und ist ein auf sinnfreien Tonsilben gesungener Tango.
Sollten Sie noch nicht wissen, wo und vor allem was Sie heute zu Abend
essen werden... ‚Chili Con Carne’ ist ein von Anders Edenroth
komponiertes A-cappella-Stück, welches im Samba-Stil die
Zubereitung des beliebten feurigen Partyessens Chili con Carne mit
seinen typischen, sonnig mexikanischen Gewürzen beschreibt. Wir
wünschen einen schönen, hoffentlich lauen und feurigen
Frühsommerabend!
Vera Oelbracht
Quellen:
Fölsing, Ulla (Hrsg.), Der Mond, München 1998.
Meinel, Gertraud, Magischer Mond – Mythos, Märchen und Mirakel,
Freiburg im Breisgau 1997.
homepage des Finnish Music Information Center
(http://virtual.finland.fi/finfo/english/rautavaa.html)
www.cyberspain.com/passion/lorca.htm
www.imagi-nation.com/moonstruck/clsc67.html
Login